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Jenseits der Kirschblüte

Von Artjom Montag, 19.4.2021

Japan liebt seine Jahreszeiten. Schon immer wurde der Wandel der Natur von den Japanern aufs Genaueste beobachtet und mit Freuden erwartet. An welche Ausprägung dieser tief in der japanischen Seele verwurzelten Liebe müssen Sie gerade denken? Lassen Sie es sich unter den blühenden Kirschbäumen im Kaiserpalast von Kyoto bei einer Schale Sake gut gehen? Oder genießen Sie an einem warmen japanischen Novembertag(!) die Herbstlaubfärbung bei einer Wanderung entlang der alten Nakasendo-Handelsstraße?

Doch Japan wäre nicht Japan, wenn nur der zartrosa Frühling und der flammende Herbst eine Reise wert wären. Denn die seit mehr als einem Jahrtausend kultivierte Liebe zum Jahreszeitenlauf hat dazu beigetragen, dass das Land zu jeder Reisezeit ein anderes, feinsinnig auf die Natur abgestimmtes und zelebriertes, Schauspiel für uns parat hält.

 
kitano_tenmanguPlum trees at the Kitano Tenmangu. - Japanexperterna.se
 

Winter

Mein Frühling aber
Das allerhöchste Glück, ach,
die Pflaumenblüte!
Issa  
 

Kein Symbol ist in Japan so eng mit dem Frühling verbunden, wie die Kirschblüte. Jedoch ist es die Pflaume (Ume), die bereits im Februar von der nahenden Jahreszeit der Erneuerung kündet. Eher scheu sitzen ihre saftig roten Blüten dann auf den knorrigen, ansonsten noch kahlen Zweigen und wecken in uns, nicht ohne einen gewissen Kontrast zum rauschenden Kirschblütenspektakel, ein Gefühl von Tradition und besinnlicher Vorfreude. Womöglich ist dieser Umstand ja ihren kulturellen Wurzeln geschuldet, war es doch zunächst die Pflaumenblüte, die ab dem 9. Jahrhundert der Fokus der Hanami-Blütenschauen war - einer Tradition, die heutzutage untrennbar mit der Kirschblüte assoziiert wird.

Mit 1500 Pflaumenbäumen ist der Kitano-tenmangu Schrein in Kyoto eine der besten Adressen, um sich an der Pflaumenblüte zu erfreuen. Die zahlreichen hier angepflanzten Sorten blühen von Februar bis Ende März, einige sogar bereits kurz nach Neujahr.

Jedes Jahr von Anfang Januar bis Anfang März öffnet zudem die traditionsreiche “Bonbai” (als Bonsai kultivierte Ume-Pflaume) Ausstellung in Nagahama ihre Pforten. In kunstvollem, traditionell japanischem Ambiente können wir hier bis zu 400 Jahre alte Bonsai-Pflaumen bestaunen.

 

17339745392_ab0d3c2381_kPhoto by coniferconifer on Foter.com

Frühling

Im licht des Mondes
Scheinen fern Farbe und Duft
der Glyzinie
Buson  

Wenn Sie vom zartrosa Kirschblütenmeer nicht genug bekommen konnten oder es erst später nach Japan schaffen, dürfen Sie sich im Mai auf die Japanische Glyzinie (Fuji) freuen. In blauen oder lila Kaskaden hängen dann ihre üppig blühenden Zweige herab und bilden geheimnisvolle “Tunnel” und “Grotten”. Oft werden diese durch ausladende und komplexe Rankgerüste zu regelrechten Kunstwerken herangezogen. Kulturell wird die Japanische Glyzinie mit Liebe und Langlebigkeit assoziiert, weshalb Sie sie oft in Literatur, Kabuki-Theater oder als Muster auf eleganten Kimonos wiederfinden werden.

Während der Glyzinienblüte ab Ende April lädt Sie in Tokyo der Kaimeido-Tenjin Schrein zum Verweilen und Staunen ein. Umrahmt von lila Blütensträngen führen hier drei halbmondförmige Brücken zum Hauptschrein, die jeweils die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft symbolisieren. Ebenso ab Ende April blüht im Kasuga-Schrein in Nara die Kasuga-Glyzinie, die als eine der prächtigsten Sorten gilt.

 

Hydrangaeas_photo rights Ilaria Canali-1-1
Ajisai. - Ilaria Canali
 

Frühsommer

Ah, Hortensien
Wie mein Leinenkimono
Sanftes Himmelblau
Basho  

Die Regenzeit im Frühsommer steht in Japan ganz im Zeichen der Hortensie (Ajisai), wenn der warme Regen ihre seidigen Blüten erblühen lässt. Die Blütenbüschel präsentieren sich dann in unterschiedlichen Farben, von weiß über Rot- und Lilatöne bis blau und ziehen tausende Japaner nach Kamakura oder Kyoto, wo sich die bekanntesten Hortensientempel befinden. Jeder Blütenfarbe wohnt traditionell eine eigene Bedeutung inne, doch die Wahrheit ist, dass diese schlicht vom Säuregehalt des Bodens abhängt und Sie manchmal am selben Strauch Büschel mehrerer Farben finden werden. Übrigens benannte der bayerische Arzt und Botaniker Philipp Franz von Siebold, der 10 Jahre in Nagasaki, im isolierten Japan der späten Edo-Zeit verbrachte, eine Hortensie nach seiner japanischen Lebensgefährtin O-Taki san: Die “Hydrangaea Otaksa”, so ihr botanischer Name, ist bis heute eines der Wahrzeichen der Stadt.

Ende Juni und Anfang Juli wird Kamakura zu einer Pilgerstätte für Hortensienliebhaber. Besonders üppig blühen sie hier im Meigetsuin-Tempel, der nicht umsonst auch “Ajisaidera” (zu Deutsch: Hortensientempel) genannt wird sowie entlang der steilen Hänge am Hasedera-Tempel mit Aussicht auf die Sagami-Bucht.
In Westjapan können Sie das Schauspiel in zahlreichen Tempeln von Kyoto bewundern, beispielsweise im Mimurotoji-Tempel nahe Uji oder dem versteckt gelegenen Yoshiminedera-Tempel.

 

Japanese Chrysanthemum-1

 

Herbst

Chrysanthemenmond
In jedem Bergdorf sind es
Tage des Sake
Issa  

Während die Kirschblüte das unumstrittene Symbol des Landes ist, ist die Chrysantheme (Kiku) in Japan das Symbol des kaiserlichen “Chrysanthementhrons”. Bereits im 8. Jahrhundert kam die Chrysantheme vom Festland nach Japan, wo der Adel schnell Gefallen an der Blume und den ihr nachgesagten lebensverlängernden Kräften fand. Seit der Meiji-Zeit (spätes 19. Jahrhundert) ist die Chrysantheme mit 16 Blütenblättern das offizielle Symbol der japanischen Kaiserfamilie und ziert als Siegel zum Beispiel auch den japanischen Reisepass. Die Kultivierung von Chrysanthemen hat in Japan eine lange Tradition, die über die Jahrhunderte viele Techniken und Varietäten hervorbrachte. Jeden Herbst finden in allen Teilen des Landes akribisch vorbereitete Chrysanthemenfeste statt, auf denen Züchter auf den Titel der schönsten Chrysanthemen hoffen können.

Schauen Sie im November doch einmal im Shinjuku Gyoen Garten im Herzen Tokyos vorbei, um der traditionsreichen Chrysanthemenschau beizuwohnen.

Unser Tipp: Halten Sie bei einem Burgbesuch im Herbst die Augen offen: Hier finden zahlreiche Chrysanthemenausstellungen statt, z B. in der Burg von Hiroshima oder Matsumoto!

 

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